Åland in Europa

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Aland in EuropaÅland

Åland mit seinen mehr als 6 500 Inseln und Schären liegt in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland. Åland ist ein autonomes Gebiet Finnlands und zählt 27 734 Einwohner. In den Bereichen, in denen Åland gesetzgeberische Befugnisse hat, fungiert die Region praktisch wie ein Staat. Ålands offizielle Sprache ist Schwedisch. 
Åland ist demilitarisiert und darf nicht militärisch befestigt werden. 

Die Entstehung der Selbstverwaltung

In den Jahren 1917–1921 kämpfte die Bevölkerung auf Åland für die Wiedervereinigung mit dem früheren Mutterland Schweden. Finnland wollte jedoch Åland nicht verlieren und bot statt dessen eine gewisse Form der Selbstverwaltung an, die die Åländer jedoch nicht bereit waren zu akzeptieren.
Die Streitfrage wurde dem Völkerbund unterbreitet, der 1921 in Genf beschloss, dass Åland zu Finnland gehören sollte, jedoch als eine autonome Region. Finnland seinerseits garantierte den Åländern, dass sie ihre Sprache, ihre Kultur und ihre lokalen Bräuche behalten durften. 

Das Parlament

1922 fanden die ersten Wahlen zum Lagting, Ålands gesetzgebender Versammlung, statt. Das Parlament versammelte sich zur ersten Sitzung am 9. Juni 1922, dem Tag, der seitdem als Tag der Selbstverwaltung Ålands gefeiert wird.
Ålands Parlament besteht aus 30 Abgeordneten, die alle vier Jahre gewählt werden. Seit der Wahl im Oktober 1999 sind sechs politische Gruppen im Parlament vertreten. 
Das Parlament beruft die regionale Regierung, Ålands „Landsskapsstyrelse“, die vom Regierungspräsidenten geleitet wird. 
Åland hat außerdem einen Sitz im Finnischen Reichstag.

Das Gesetz über die Selbstverwaltung

Im Gesetz über die Selbstverwaltung werden die Bereiche aufgeführt, in denen das Parlament eigene Gesetze verabschieden kann. Zu den wichtigsten Gebieten gehören: Bildung und Kultur, das Gesundheitswesen, Umwelt, Wirtschaft, das Verkehrswesen innerhalb Ålands, das Polizeiwesen, die Postverwaltung sowie Radio und Fernsehen. 
Finnlands Gesetze gelten hingegen in Bereichen wie Außenpolitik sowie Zivil- und Strafrecht. Der finnische Staat erhebt Steuern und Zölle auf Åland. Im Gegenzug wird dem Parlament eine Summe aus dem Staatshaushalt zur Verfügung gestellt, mit der Angelegenheiten finanziert werden sollen, die im restlichen Finnland vom Staat bezahlt werden.
In Fällen, in denen Finnland internationale Verträge eingeht, die auch Åland berühren, muss das Einverständnis Ålands eingeholt werden. Ein Beispiel hierfür war die Mitgliedschaft Finnlands und Ålands in der EU. 

Das Heimatrecht

Åland verfügt über ein System des sogenannten Heimatrechts, das als eine Art Staatsbürgerschaft fungiert. Das Heimatrecht ist Voraussetzung, um an den Parlamentswahlen teilnehmen oder für die Wahlen kandidieren zu können sowie um Grund und Boden zu besitzen und Gewerbe auf Åland zu betreiben. Bürgern ohne Heimatrecht kann eine Ausnahme erteilt werden um Grund und Boden zu erwerben oder ein Gewerbe zu betreiben. 
Das Heimatrecht erhält man durch Geburt auf Åland, wenn ein Elternteil das Heimatrecht besitzt. Zugezogene, die die schwedische Sprache zufriedenstellend beherrschen und finnische Staatbürger sind, können das Heimatrecht nach fünf Jahren erlangen. Wer länger als fünf Jahre nicht auf Åland gemeldet war, verliert das Heimatrecht. 

Schiffahrt und Industrie

Die Seefahrt ist der tragende Zweig der åländischen Wirtschaft und steht für über 40 % des Bruttonationalprodukts. Auf Åland hat man seit Menschengedenken Schiffahrt betrieben und sie den Anforderungen der Zeit angepasst. 
Die modernen Reedereien auf Åland decken verschiedene Bereiche ab – Passagierverkehr, Güterverkehr und internationale Tankerschiffahrt. 13% der Åländer arbeiten auf See. 
Die guten Verkehrsverbindungen waren auch Voraussetzung für ein starkes Wachstum der über 1 800 landbasierten Unternehmen. Branchen wie „Hi-Tech“ und die metallverarbeitende Industrie verzeichnen einen starken Zuwachs. Viele Betriebe sind Sublieferanten für die Großindustrie in anderen Ländern. 

Der Tourismus

Åland lockt mit seiner speziellen Schärenlandschaft viele Besucher, dementsprechend ist der Tourismus ein ständig wachsender Wirtschaftsfaktor und der Service für Touristen gut ausgebaut. 
Im Jahr 2001 besuchten mehr als 1,7 Millionen Gäste die Ålandinseln, die Anzahl der Übernachtungen betrug ca. 560 000. Im Sommerhalbjahr kommen die Besucher, um ihren Urlaub in der freien Natur bei Bad, Golf, Fahrrad- und Bootsausflügen zu genießen. Die Möglichkeiten zum Angeln sind das ganze Jahr über hervorragend. Åland ist außerdem, dank seiner zentralen Lage in Nordeuropa, beliebt als Treffpunkt für Konferenzen und Sportveranstaltungen mit vielen internationalen Teilnehmern. 

Die Lebensmittelproduktion

Die Landwirtschaft auf Åland wird in kleinem Maßstab betrieben. Ein Drittel der rund 800 Höfe auf Åland haben zwischen 10 und 20 Hektar Ackerland. Für die Bevölkerung außerhalb Mariehamns stellt die Landwirtschaft einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. 
Die åländischen Landwirte haben sich traditionell und mit langer Erfahrung auf den Anbau für beispielsweise Zuckerrüben, Zwiebeln, Äpfeln und Kartoffeln spezialisiert. Die Saison für den Anbau reicht von Mai bis Oktober. 
Das Interesse für natürliche Landwirtschaftsprodukte steigt. Im Jahre 2001 wurden rund 10 % der gesamten Ackerfläche ökologisch angebaut. 
Der größte landbasierte Wirtschaftszweig ist die Lebensmittelproduktion. Åland verfügt über das nötige Potenzial, die Veredelung von Produkten aus der Landwirtschaft und der Fischerei weiter voranzutreiben.

Die Kultur

Åland ist dank der Seefahrt eine sehr offene Gesellschaft, die nahe Kontakte mit Ländern und Kulturen über die Meere hatte und auch noch heute pflegt. 
Im åländischen Kulturleben vermischen sich lokale Traditionen mit Einflüssen aus Nah und Fern und es ist geprägt von einem regen Austausch mit den anderen nordischen Ländern. 
Viele Maler haben sich von der åländischen Natur inspirieren lassen, in der Literatur des Landes ist die Abhängigkeit der Åländer von der Ostsee mit Fischerei und Seefahrt ein oft wiederkehrendes Thema.
Typisch für Åland sind die Maibäume, die reich geschmückt zum Mittsommerfest in den Gemeinden aufgestellt werden. 

Die Natur

Die Natur auf Åland ist sehr vielseitig, auf der einen Seite die karge Natur der Schären, auf der anderen Seite artenreiche Hainwiesen und üppige Nadelwälder. 
Der Artenreichtum der åländischen Flora ist sehr groß, und die Inseln sind bekannt für ihre bunten Frühlingswiesen und vielen Orchideenarten, die den kalkhaltigen Boden lieben. 
In der åländischen Fauna sind besonders die große Anzahl der Seevögel hervorzuheben, die auf den Inseln brüten. Wichtig für viele Åländer ist die Jagd auf Seevögel im Frühjahr, die eine lange Tradition hat und heute einen selbstverständlichen Teil des åländischen Kulturerbes darstellt. 
Die Überdüngung der Meere macht sich auch auf Åland, das mitten in der Ostsee liegt, auf verschiedene Weise bemerkbar. Daher ist es den Inselbewohnern sehr wichtig, dass Massnahmen ergriffen werden, um die Meere weniger zu belasten. 

Ålands Symbole

1954 erhielt Åland eine eigene Flagge mit einem roten und gelben Kreuz auf blauem Grund. 
1978 wurde das Parlamentsgebäude in Mariehamn eingeweiht und ist Sitz des Parlaments, der Regierung und der Selbstverwaltung. 
1984 wurden zum ersten Mal åländische Briefmarken gedruckt und 1993 erhielt die Post auf Åland den Status einer selbständigen Postbehörde. Jährlich werden 10–15 Briefmarken herausgegeben. 
Ålands Wappen stellt einen goldenen Hirsch auf blauem Grund dar, die Landschaftsblume ist die im Frühling blühende Schlüsselblume.

Åland in Europa

Åland ist seit dem 1. Januar 1995 Mitglied der EU. Dem Anschluss ging eine Volksabstimmung voraus, in der sich 74% der Wähler für eine Mitgliedschaft ausgesprochen haben. Als Folge davon sagte Ålands Regierung ja zur EU-Mitgliedschaft. 
Finnland gelang es, besondere Ausnahmen zu verhandeln, um die Selbstverwaltung und Auskommensmöglichkeiten auf Åland abzusichern. Diese werden im sogenannten Ålandsprotokoll aufgeführt. Dem Ålandsprotokoll zufolge ist die Forderung des Heimatrechts für den Besitz von Grund und Boden und für das Betreiben eines Gewerbes auch in der EU rechtsgültig. Außerdem steht Åland außerhalb der Steuerunion der EU und Direktiven zur indirekten Besteuerung werden auf Åland nicht umgesetzt. Dies war Voraussetzung, um den Fährverkehr und damit die Verkehrsverbindungen von und nach Åland zu sichern.
Åland hat einen Abgeordneten im Regionskomitee der EU sowie einen Sonderbeauftragten in der EU-Vertretung Finnlands in Brüssel.

Interreg IIIA – Die Schären

Ålands Schärenlandschaft stellt mit seinen mehr als 6 500 Inseln den natürlichen Mittelpunkt des großen Schärengebiets, das, der sich von Schweden nach Finnland erstreckt. 
Die politischen Ziele für ein lebendiges Schärengebiet werden u.a. durch das EU-Programm Interreg IIIA–Schärengebiet realisiert, in dem eine gesunde Wirtschaft in den Schären angestrebt wird. Die Bewahrung der Umwelt und der Kulturlandschaft Schärengarten sind wichtige Aspekte in der Entwicklungsarbeit. 
„Geschmack der Schären“ ist ein Pilotprojekt für Interreg-Schärengebiet, das eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Gastwirten, Lebensmittelproduzenten und Kunsthandwerkern zeigt. 
Die Programme der Fonds für regionale Entwicklung Ziel 2 und Ziel 3 sowie Interreg IIIB Ostseeregion geben weitere Möglichkeiten für die Unterstützung der Entwicklungsarbeit.

Demilitarisierung und Neutralität

Finnland und Åland wurden 1809 Teile des russischen Reiches. Nach der Eroberung begann Russland, eine Festung auf Åland zu errichten. Während des Krimkrieges (1853–56) wurde die Festung in Bomarsund von französischen und englischen Truppen angegriffen und die Russen wurden zur Kapitulation gezwungen. 
In den Friedensverhandlungen in Paris 1856 verpflichtete sich Russland, Schwedens Wunsch nachzukommen und Åland militärisch nicht zu befestigen. Seitdem ist Åland eine demilitarisierte Zone und die Inseln werden oft als „Inseln des Friedens“ bezeichnet. Hier gibt es kein Militär und die jungen Männer auf Åland sind vom allgemeinen Wehrdienst befreit.
1921 wurde eine internationale Konvention über die Neutralität Ålands beschlossen und die Demilitarisierung bestätigt. 

Åland in Zahlen

Einwohner 1.1.2012: 28 355, 11 263 wohnen in Ålands einziger Stadt, Mariehamn.
Gemeinden: Åland hat 15 Gemeinden und eine Stadt. Die Gemeinde Sottunga zählt 125 Einwohner und ist die kleinste Gemeinde ganz Finnlands. 
Bevölkerungsdichte: 18 Einwohner/km2 
Gesamtfläche: 6 784 km2, davon 1 527 km2 Land
Höchster Punkt über NN: Orrdals klint 128,8 Meter
Mittl. Tagestemperatur: + 15,6°C im Juli, -4,5°C im Februar
Geographische Lage: 
Westlichster Punkt 19°08,2' E
Nördlichster Punkt 60°39,3' N
Währung: Euro
Sprache: Schwedisch
Angaben aus dem Statistischen Jahrbuch für Åland 2011


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